Die Geschichte mit dem WLAN Router
Unser Admin bekommt seinen langerwarteten WLAN Router und wie so oft geht manches schief.
Voll Ungeduld springe ich in aller Herrgottsfrüh aus dem Bett. ein kurzer Blick zur Uhr zeigt mir, es ist bereits 10Uhr und es bleibt keine Zeit mehr für einen Kaffee. Daher sofort ins Auto und ab ins Büro.
Heute ist der Tag der Tage. Heute kommt er, lang ersehnt, endlich lieferbar. Die letzten Tage des Wartens waren eine Qual. Im Büro reiße ich sofort alle Pakete auf, die neben der Eingangstür stehen. Mein Router ist nicht drin. Das kann doch nicht sein?
Eine kurze Rückfrage bei den Kollegen erklärt alles. Der Paketdienst war heute noch gar nicht da und die Pakete, die mein Kollege zum Versand neben die Tür gestellt hat, kann man schließlich wieder einpacken. Also bleibt doch noch Zeit für einen Kaffee. Ich habe den Kaffee noch gar nicht fertig getrunken, ist der Paketdienst da. Ich reiße ihm sofort das Paket, das die Größe eines Routers hat, aus der Hand und laufe in mein Büro. Er ist es wirklich, wenn nur nicht immer so viele unsinnige Sachen in so einer Verpackung wären, bevor man an das Gewünschte kommt. Ich schmeiße diesen ganzen Schrott, wie das Handbuch und die CD mit der Originalsoftware sofort weg. Wer benutzt den schon Originalsoftware auf einem WLAN Router?
Ich sauge mir sofort die neueste Linux-basierende Alternativsoftware für meinen Router. Im Readme lese ich, daß ich mich am Webinterface des Routers anmelden muß und dann ein Firmwareupgrade machen kann. Leider weiß ich das Standardpasswort des Routers nicht. Ich probiere alle Standardpasswörter, die mir so einfallen, aber keins funktioniert. So was Blödes, nun muß ich wirklich in das Handbuch reinschauen. Hoffentlich sieht mich niemand dabei, ich will schließlich nicht als Warmduscher und Handbuchleser gebrandmarkt sein. Also hin zum Papierkorb, der inzwischen leider von der Reinigungskraft entleert worden ist. Gerade heute muß die früher dran sein als sonst. Bleibt mir wohl nichts anderes übrig, als in den Papiercontainer vor dem Haus zu klettern und das Handbuch zu suchen. Im Papercontainer herrscht ein Riesenchaos, das die Leute ihr Altpapier nicht ordentlich einsortieren können (Kopfschüttel). Das Handbuch des Routers ist nicht zu finden, stattdessen finde ich aber das Handbuch eines Druckers, welches ich seit letzter Woche vermisse.
Also wieder an den PC und in ein paar Foren eine Anfrage stellen nach dem Standardpasswort. Kurz darauf habe ich bereits die Lösung. Der Router hat default gar kein Passwort. Hätte ich aber auch drauf kommen können.
Jetzt geht es aber los. Rein ins Webinterface, das File für die neue Firmware ausgewählt und starten gedrückt. Die Power LED des Routers fängt an zu blinken und im Webinterface steht, daß man den Flashvorgang nicht abbrechen darf. Ich warte darauf, was passiert. Es passiert aber gar nichts. Die Power LED des Routers blinkt weiter und weiter. Nach ca. 1 Minute stecke ich den Router aus und wieder ein. Ich werde Flashvorgang einfach noch einmal machen. Leider lässt sich nun das Webinterface des Routers nicht mehr aufrufen, der Router läßt sich nicht mal mehr anpingen.
Was soll denn das? Eine kurze Recherche im Internet und hab es gefunden. Ich habe meinen Router in eine Brick verwandelt. Das bedeutet, daß der Router keine Firmware mehr hat und ich ihn in seinem derzeitigen Zustand als Briefbeschwerer verwenden kann. Da ich ich schon einige selbst geflashte Briefbeschwerer habe, gebe ich natürlich nicht auf. Das wäre doch gelacht, wenn ich das Ding nicht reparieren könnte. Ich recherchiere weiter und finde eine Anleitung, wie man den Router in einen Wartungsmodus versetzen kann, um ihm per TFTP eine neue Firmware aufzuspielen. In der Anleitung dazu steht weiter, daß ich zu diesem Zwecke das Gehäuse öffnen muß, was aber sehr schwer sein soll.
Ich lese gar nicht weiter und lege los. Das wäre doch gelacht, das Gehäuse, welches ich als Admin mit meinem Spezialwerkzeug nicht aufbekomme, muß erst erfunden werden. Nach eine knappen halben Stunden hantieren mit meinem Spezialwerkzeug habe ich das Problem eingegrenzt. Es liegt einfach daran, daß sich dieses Mistding von Gehäuse nicht öffnen läßt. Beschämt und mit einem vorsichtigen Blick über meine Schulter auf meine Kollegen, lese ich in der Anleitung weiter.
Na, da haben wir es doch, der Router ist nur mittels Brachialgewalt zu öffnen. Da war ich schon auf dem richtigen Weg, habe aber nur zu bald aufgegeben. Alleine bei der Säge als Werkzeug, habe ich mich geirrt, sie ist nicht für eine Öffnung notwendig. So klemme ich das Gehäuse des Routers zwischen meine Knie und reiße mit beiden Händen schlagartig am Gehäuse. Ein Krachen zeigt mir den Erfolg und ich spüre den Schmerz sofort, als ich mir an den Lötstellen der Platine die Hand aufreiße. Die Blutung ist jedoch bald gestoppt und ich mache mich wieder an die Arbeit, ich muß mir jetzt nur eine Geschichte zu meiner verletzten Hand ausdenken. Eventuell ein Kampf mit einem mit einem Rotweiler, hm, mal sehen...
Der betreffende Chip auf der Platine ist schnell gefunden, jetzt muß ich mit einer Meßstrippe den Pin 16 des Chips mit Masse verbinden. Ich nehme also das eine Ende der Meßstrippe in meine linke Hand und drücke die Spitze auf das Schirmblech der Antenne. Mit der rechten Hand versuche ich das andere Ende der Strippe auf den Pin 16 zu drücken, was sich selbst bei allem Optimismus als ein Ding der Unmöglichkeit erweist, da die Spitze der Strippe ca. 10mal so breit ist, wie der Pin dieses winzigen Chips. Auf diese Weise könnte ich lediglich Pin 13 bis 18 mit Masse verbinden. Doch ich habe schon wieder eine Idee. Ich borge mir von einer Kollegin eine Sicherheitsnadel aus, zwicke die Spitze ab und befestige sie mit Klebeband an der Meßstrippe. Also nochmal, Mit der linken Hand an das Blech der Antenne, mit der rechten Hand, welche vor Schmerzen doch reichlich zittert, auf den Pin 16. Nach 20 Minuten habe ich es geschafft. Die Nadel sitzt genau mittig am Pin 16.
Also weiter in der Anleitung. Nun muß ich nur mehr das Stromkabel in den Router stecken, aber mit welcher Hand? Mein Schrei des beginnenden Wahnsinns läßt meine Kollegen aufhorchen, aber ich bestätige, daß alles in bester Ordnung ist. Ich versuche das Stromkabel vom Boden mit den Zehen aufzuheben und einzustecken, es gelingt mir nicht. Schließlich habe ich Stromkabel im zwischen den Zähnen und beuge mich über Buchse. Dabei fällt mein Blick auf den Chip und auf die Nadel, welche genau mittig auf dem Pin 15 sitzt. Ich muß wohl verrutscht sein.
Ich lasse mich aber nicht aus der Ruhe bringen, hüpfe kurz laut schreiend und Haare raufend durchs Büro und ernte wieder die gewohnten irritierten Blicke meiner Kollegen.
Der vierte Versuch mit meiner Strippe klappt besser und ich schaffe, wie erwartet, den Router in den Wartungsmodus zu versetzen und über TFTP die originale Firmware zu flashen. Geschafft, der Router funktioniert mit der originalen Firmware und weil es bereits dermaßen spät ist, nehme ich mir vor, gleich morgen in aller Früh ins Büro zu fahren und dem Router eine vernünftige alternative Firmware einzuspielen.